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Nachruf Friedrich Kracht

Am 17.November 2007 verstarb unser Kollege Friedrich Kracht.
Er war seit 1961 Mitglied und über viele Jahre Vorsitzender der Genossenschaft „Kunst am Bau“.

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Nachruf

Auszug aus dem Artikel von Gunter Ziller, veröffentlicht in der Tageszeitung Dresdner Neueste Nachrichten vom 22. 11.2007

Sinn und Widersinn der Geometrie
Zum Tod des Dresdner Konkreten Künstlers Friedrich Kracht
(geboren in Bochum 09.07.1925, gestorben in Dresden 17.11.2007)

„Die derzeit so empfundene und beschworene semantische Katastrophe, die Verwirrung der Begriffe bis hin zu ihrer Verkehrung ins Gegenteil, diese Verunsicherung, sich verständigen zu können, erzwingt die Rückbesinnung auf des Wortes ursprüngliche Bedeutung. Warum nicht auch auf des Zeichens ursprüngliche Bedeutung?“
Dies stellte Friedrich Kracht in einem längeren Statement vor reichlich zehn Jahren fest. Gleichzeitig relativierte er in seinem geometrisch-abstrakten Spätwerk diese „ursprüngliche Bedeutung“, indem er konkrete und paradoxe Geometrien miteinander verwob, um „…..das Geläufige in Frage zu stellen, zu hinterfragen, um tiefere Zusammenhänge freizulegen.“
Diese seine obige Feststellung kann extrapoliert werden auf die gesamte Zeit seines Lebensweges mit ihren historischen und kunsthistorischen Umwälzungen, Brüchen und Missverständnissen….
1960 trat Friedrich Kracht zusammen mit Karl-Heinz Adler der 1958 gegründeten „Genossenschaft Kunst am Bau“ bei, in der eine geistig-künstlerisch offene und produktive Atmosphäre auch im Kontakt mit der Weltkunst herrschte. Seitdem gewann für ihn die Arbeit am Bau Vorrang. Brunnen, Wandbilder, Reliefs und besonders die seriellen Systeme der Beton-Formsteine dieser Künstlergruppe prägten das Gesicht vieler Neubaugebiete und Einzelarchitekturen in zahlreichen ostdeutschen Städten. Freie Arbeiten entstanden lange Zeit nur nebenbei als Spiel.
Erst in den achtziger Jahren intensivieren sich seine freien „Formfindungen“ wieder. Mitte der achtziger Jahre einsetzende Kollektivausstellungen geometrisch-abstrakter, konstruktiver oder konkreter Kunst beflügeln ihn zu einem reichhaltigen freien bildnerischen Spätwerk, das im Umfeld von Hermann Glöckner und Max Bill zunächst in Ostdeutschland, Polen und Ungarn, dann im ganzen Bundesgebiet und darüber hinaus bekannt wird. Dieses Werk führt die klassische Geometrie mit paradoxem Widersinn ad absurdum, in logisch klarer Konstruktion werden unmögliche Geometrien möglich, zieht Ordnung ins Chaos und wird das Absurde gelöst mit geometrischem Witz…
Sein Tod reißt wieder eine bedeutende Lücke in den eher kleinen Kreis Konkreter Künstler.